Sprachunterricht mit praktischer Anschauung

Englisch on the Bauernhof

Walther Puza
Englisch-Kurs auf dem Hailfinger Birkenhof: Besser Stroh unterm Hintern als Stroh in der Birne. ... Englisch-Kurs auf dem Hailfinger Birkenhof: Besser Stroh unterm Hintern als Stroh in der Birne. Ganz unten Cedrik Maser dann weiter im Uhgrzeigersinn: Jonas Köhler, Tobias Weiß, Nicola Münz, Corinna Kögler, Philip Hogh, Lennart Rebmann und Lehrerin Birgit Höffl.l.
Bild: Walther Puza

Am Birkenhof machen Kinder mal ganz anders Ferien auf dem Bauernhof. In kleinen Gruppen wird dort Englisch im Alltag gebüffelt.

Hailfingen. „Andere Englischkurse stellt man sich vor wie Nachhilfe. Hier ist es wie Ferienprogramm.“ Das sagt die elfjährige Nicola Münz, die am Rottenburger Eugen-Bolz-Gymnasium (EBG) den bilingualen Zug macht und zum zweiten Mal und freiwillig in den Ferien zum Englisch Lernen auf dem Birkenhof ist. Dabei sind ihre Klassenkameraden Corinna Kögler und Philip Hogh. Wenn sie auf dem Hof spielen, reden sie Englisch. Freilich klingt es manchmal so: „There is somebody schon über der Linie.“ Dann wiederholt Birgit Höffl den Satz mit den bislang unbekannten Vokabeln auf Englisch.

Höffl hat ihre Magisterarbeit über die Naturgedichte des irischen Literatur-Nobelpreisträgers Seamus Heaney geschrieben. Nun lebt sie in der Natur – weit schweift der Blick vom ehemaligen Flugplatz Hailfingen / Tailfingen ins Albvorland. Ihr Mann betreibt die Landwirtschaft. Sie erteilt Englisch-Unterricht. Auch Business-Leute finden den Weg über die Äcker. Höffls Kinder wachsen zweisprachig auf. Und so scheinen sich die sechs weiteren Jungen und Mädchen im Alter von elf bis dreizehn Jahren ganz natürlich ins Hofleben einzufügen.

„Jetzt kann man es anwenden“, sagt Nicola, die inzwischen sämtliche Getreidesorten unterscheiden und dem „Farmer“ auf Englisch erklären kann, was aus jedem Getreide hergestellt wird. Ganz praktisch geht es zur Sache. Am Mittwoch buken die Jugendlichen Brot; auch Pizzen belegten sie schon ganz kreativ. Arbeitssprache ist bei solchen Tätigkeiten stets Englisch. „Sehr schwer ist das nicht“, erklärt Philip, „aber manche Begriffe kennst du halt nicht“.

Cedrik Maser kommt gut mit. Auch er geht aufs EBG, aber im Gegensatz zu den anderen ist er im Latein-Zug. Dennoch merke er noch keinen großen Unterschied in den Englisch-Kenntnissen, sagt er und bedauert, dass der Kurs nach einer Woche schon zu Ende ist.

„Die Landwirtschafts-Wörter kann ich nicht so gut“, gibt Tobias Weiß zu. Dem zwölfjährigen Hauptschüler bereitet das Englisch Lernen hier viel mehr Spaß als in der Schule. Sein Freund Jonas Köhler machte ihn auf das Bauernhof-Englisch-Angebot aufmerksam. Der wiederum hatte den Tipp von seiner Mutter bekommen.

Gemeinsam prägen sie sich jetzt die Himmelsrichtungen ein und dazu Landschaftsmarken. „Die Himmelsrichtungen brauchen wir, weil Ihr sonst nicht mehr zurück findet“, erklärt Höffl. Bei einer angeleiteten Abenteuerreise sind die Kinder in Gruppen unterwegs und müssen sich von Station zu Station durch unbekanntes Gelände arbeiten. Es sei einkalkuliert, berichtet Höffl, dass sie Fehler machen, nicht mehr weiter kommen. Dann müssen sie diskutieren, was sie als nächstes tun. Es sei der Sinn dieser Erlebnispädagogik, Englisch als Alltagssprache erlebbar zu machen, weg zu kommen von den nicht wahnsinnig interessanten Situationen aus dem Schulbuch.

„Ohne den Bauernhof würde es keinen Spaß machen, erst recht nicht, wenn man nur drinnen rumhockt“, konstatiert Philip. So sehen es alle. In den Pausen, wenn die Jugendlichen Deutsch reden dürfen, spielen sie „Räuber und Gendarm“ – ein Heidenspaß auf dem weitläufigen Hofgelände. Eine Einschränkung ist Gesetz: „No Climbing!“, Klettern ist verboten.

Die beiden Mädchen – Höffl: „Diesmal ist es ein bisschen Jungen-lastig“ – haben sich im Stroh ein Nest gebaut. Da ruht sich die ganze Gruppe aus, bevor sie sich an den Traktor macht, um jedes Einzelteil des Monstrums mit einem Kärtchen zu bekleben, auf dem der englische Begriff steht. Das einzige, was zumindest die Mädchen stört, beschreibt Corinna Kögler so: „Die Jungs sind immer etwas laut!“ Und das auch noch auf Deutsch.